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Frequenzen im Alltag: von 16,7 Hz bis 5G
Von Martin Sutter · Fachredaktor Elektrotechnik & EMV · Stand: 17. August 2026
Die Frequenz sagt, wie oft pro Sekunde sich ein Feld ändert — gemessen in Hertz. Sie ist der Schlüssel zum Verständnis der elektromagnetischen Umwelt: Sie entscheidet darüber, ob ein Feld an der Quelle klebt oder als Welle reist, wie es vom Körper aufgenommen wird und welche Regeln gelten. Diese Seite ordnet die Frequenzen des Alltags ein — vom Bahnstrom bis zum 5G-Sender — und zeigt, welche Wellenlänge dahintersteckt (Wellenlänge = Lichtgeschwindigkeit geteilt durch Frequenz).
Der niederfrequente Unterbau: Bahn und Netz
Die Schweiz läuft elektrisch auf zwei Rhythmen. Das öffentliche Stromnetz schwingt mit 50 Hz — jede Steckdose, jede Wandleitung, jeder Transformator. Die SBB speist ihre Traktionsnetze traditionell mit 16,7 Hz; entlang der Geleise prägen diese Felder die Immissionen, weshalb Wohnungen neben Bahnlinien oft spezifische magnetische Hintergrundwerte zeigen. Bei diesen Frequenzen sind elektrisches und magnetische Feld noch getrennt zu betrachten (siehe Grundlagen); Abschirmung ist beim elektrischen Feld einfach, beim magnetischen aufwendig.
Der Kilohertz-Bereich: die stillen Haushaltssender
Zwischen einigen Hundert Hertz und rund 100 kHz arbeiten viele unsichtbare Quellen im Haus: Schaltnetzteile von Ladegeräten und LED-Leuchten, Induktionsherde (typisch 20 bis 100 kHz), Dimmer und Energiesparlampen-Netzteile. Diese «Zwischenfrequenzen» tauchen in einfachen Messgeräten oft als Sammelwert auf — erst ein Spektrumanalysator zeigt, welcher Anteil von welchem Gerät stammt.
Der Rundfunk-Bereich
Ab einigen Megahertz beginnt die klassische Funkwelt: UKW-Hörfunk auf 87,5 bis 108 MHz, DAB+ im Band III um 220 MHz, digitales Fernsehen im UHF-Band IV/V (470 bis 700 MHz — wobei die obere Hälfte inzwischen dem Mobilfunk gehört, Stichwort «digitale Dividende»). Diese Sender leisten teils Hunderte Kilowatt und prägen die Hintergrundimmission ganzer Regionen, auch wenn die Modulationsarten sich stetig geändert haben: analog ist so gut wie überall digital gewichen.
Mobilfunk: von 700 MHz bis 3,5 GHz
Der Mobilfunk nutzt Bänder in sehr unterschiedlichen Lagen. LTE und «Internet of Things» arbeiten um 700 bis 900 MHz — diese Wellen (33 bis 43 cm) erreichen gute Flächendeckung und dringen gut in Gebäude. Die Kapazitätsbänder liegen bei 1,8, 2,1 und 2,6 GHz; 5G kommt zusätzlich im 3,5-GHz-Band mit kurzen Wellen um 8,6 cm, was kleinere Zellen und höhere Datenraten ermöglicht. Millimeterwellen-Bänder, wie sie anderswo genutzt werden, sind in der Schweiz bislang nicht Gegenstand der Netzplanung.
WLAN, Bluetooth und DECT
Die Hausnetze der Datenkommunikation senden im lizenzfreien ISM-Bereich: WLAN auf 2,4 GHz und 5 GHz (mit 6 GHz als jüngerer Erweiterung), Bluetooth auf 2,4 GHz mit kleinsten Leistungen, DECT-Telefonie auf 1880 bis 1900 MHz. Smarthome-Funk wie Zigbee teilt sich das 2,4-GHz-Band mit allem anderen. Weil diese Quellen im eigenen Wohnraum stehen, sind sie für die persönliche Exposition oft relevanter als der nächste Basisstationssender — und gleichzeitig am einfachsten selbst steuerbar.
Die Übersicht: Dienste, Bänder, Wellenlängen
| Frequenz | Wellenlänge | Dienst / Quelle | Bemerkung |
|---|---|---|---|
| 0 Hz | — | Erdfeld, Magnete, Gleichstrom | statische Felder |
| 16,7 Hz | 18'000 km | SBB-Traktionsstrom | niederfrequent, an Quelle gebunden |
| 50 Hz | 6'000 km | Stromnetz, Haushaltinstallation | E-Feld und H-Feld getrennt |
| 20–100 kHz | 15–3 km | Induktionsherd, Schaltnetzteile | Zwischenfrequenz |
| 87,5–108 MHz | 3,4–2,8 m | UKW-Hörfunk | Flächendeckende Sender |
| ~220 MHz | 1,4 m | DAB+ | digitaler Hörfunk |
| 433 / 868 MHz | 69 / 35 cm | Funksteckdosen, Smart Meter (Funk) | Kurzzeit-Sendebetrieb |
| 700–960 MHz | 43–31 cm | LTE / IoT / GSM / UMTS | Fläche und Building-Penetration |
| 1800 / 2100 / 2600 MHz | 17 / 14 / 12 cm | 4G-Kapazitätsbänder | Stadtnetze |
| 1880–1900 MHz | 16 cm | DECT-Schnurlostelefone | Dauerbetrieb der Basis |
| 2,4 GHz | 12,5 cm | WLAN, Bluetooth, Zigbee | lizenzfrei |
| 3,5 GHz | 8,6 cm | 5G | kleine Zellen |
| 5 / 6 GHz | 6 / 5 cm | WLAN | höhere Datenraten |
Niederfrequent heisst: Feld klebt an der Quelle, Abstand wirkt sofort. Hochfrequent heisst: Welle reist, viele Quellen überlagern sich — und die Frequenz bestimmt, wie gut sie in Gebäude und Körper eindringen. 50 Hz hat 6'000 km Wellenlänge; 5G um 3,5 GHz hat 8,6 cm. Um den Faktor fast 100 Milliarden auseinander — derselbe Begriff «Feld», zwei verschiedene Welten.